Bücher lesen ist ja eigentlich Privatsache und nicht selten sogar Intimsache.
Wenn ich öffentlich gedruckte Bücher lese oder in einem Blog darüber schreibe oder auf einem YouTube-Channel darüber erzähle, ist es nicht mehr so privat.
Ich habe mir sofort einen der ersten Kindle gekauft, damit ich in der Bahn privat ungestört lesen kann. Das war die Zeit, in der digitale Kommunikation persönliche Vorlieben plötzlich öffentlich sichtbar machte. Obwohl Bücher schon immer etwas über Menschen ausgesagt haben, fühlte sich Lesen für mich früher viel privater an.
Es ist nicht so lange her, da galt das Buchregal zuhause als Aushängeschild für Status und Bildung. Lesen kann auch Selbstinszenierung sein.
Mittlerweile ist es viel einfacher geworden, überall zu lesen, worauf man Lust hat, ohne dass andere es sofort mitbekommen. Es gibt öffentliche Bücherregale und man trifft sich, um gemeinsam still zu lesen. Man begegnet dem Lesen heute viel sichtbarer im Alltag.
Ich finde es toll, dass ich lesen kann, wozu ich Lust habe, aber es sind noch Rückstände in meinem Gehirn vorhanden von selbstkritischen Gedanken, was andere Leute von mir denken könnten. Da ich viele YouTube-Channel zu Büchern und Buchblogs abonniert habe, finde ich es viel interessanter, was jemand zu einem Buch zu sagen hat, ob das jetzt „Fourth Wing“ ist oder ein Roman von Philip Roth ist.
Lesen als öffentliche Privatsache gefällt mir sehr.